Vorhandenes übernehmen oder Neues schaffen

Zunächst ist zu prüfen, welcher grundsätzliche Weg für die Bereitstellung eines eigenen ERP-Systems für das herauszulösende Unternehmen infrage kommt:

das Aufsetzen auf die bereits vorhandenen SAP-Systeme oder die Neueinführung eines SAP-ERP-Systems. In der Praxis verschiedenster Carve-Outs hat sich oft die erste Option als der bessere Ansatz erwiesen. Der wesentliche Grund dafür ist, dass die Einführung eines neuen SAP-ERP-Systems für jedes Unternehmen generell einen immensen Aufwand bedeutet, für den bei einem im Carve-Out befindlichen Unternehmen meist keine oder nur unzureichende Ressourcen zur Verfügung stehen. Es gibt jedoch Ausnahmen für diesen Grundsatz, die zunächst zu prüfen sind. Zum einen kann eine Neueinführung sinnvoll sein, wenn die Prozesse des zukünftig selbstständigen Unternehmens im bestehenden SAP-System nicht geeignet abgebildet werden. Dies ist häufig der Fall, wenn das Geschäftsmodell des herauszulösenden Unternehmens nicht oder nicht mehr zum Kerngeschäft des abgebenden Unternehmens passt und deshalb ausgegliedert wird. Zum anderen kann es passieren, dass das abgebende Unternehmen ein Aufsetzen auf das bestehende SAP-System ablehnt. Grund hierfür können beispielsweise Bedenken sein, das Know-how von Eigenentwicklungen oder speziell angepassten Geschäftsprozessen im SAP-System zu verlieren. Oder auch die Befürchtung, dass die im SAP-System enthaltenen Daten im Zuge des Splits aus dem abgebenden Unternehmen herausgelangen könnten. Für beide Ausnahmen gibt es jedoch eine Reihe von Lösungsansätzen, so dass eine weiterführende Diskussion sinnvoll ist, bevor ein aufwändigeres Neueinführungsprojekt gestartet wird.